Die MEDIATHEK hinter den KULISSEN

Die MEDIATHEK  hinter den KULISSEN
Die Sonnenseite des Fußballs -The High Performence Mind of Soccer -Menschen und Stories rund um den Fußball

Donnerstag, 13. Oktober 2011


Magische Momente im Fußball TV





                                                               von Dst Perform

Sonntag, 9. Oktober 2011


MAGISCHE  MOMENTE

 oder „Wenn die Zeit stehen bleibt!“

Warum lieben wir Fußball?

Das ist der Stoff, aus dem Fußball-Träume sind. Als der Schiedsrichter in der 96. Minute das entscheidende Relegationsspiel zum Aufstieg in die Bezirksliga abpfiffen hatte, hatten die Hälfte der ca. 500 Zuschauer, die Anhänger  meines VfR`s, dessen Manager und Obmann ich war,  dessen Spieler, Trainer und Betreuer,  einige Minuten gebraucht um zu realisieren was geschehen war.




Aufgewachsen in einem kleinem 1500 Einwohner- Örtchen im Rheinland, als Sohn des damals 2. Vorsitzenden und Vereinswirtes.  Als kleiner Junge etwas dick und pummelig, startete ich meine Fußballlaufbahn zunächst im Tor der E-Jugend meines VfR´s. Ab der Pubertät ,mit ein paar Kilo weniger, dann als Linksaußen oder Mittelstürmer. Ich war nicht der Talentierteste, aber meine Leidenschaft und mein Leben war der Fußball. Mit Ehrgeiz und Einsatz konnte ich wohl einiges kompensieren - in einem kleinen Fußballdorf wollte man halt dazugehören. Auf dem Sprung ins Seniorenalter wurde meine aktive Fußballlaufbahn abrupt, durch einen Motorradunfall beendet.

Ich bin meiner Leidenschaft, dem Fußball jedoch treu geblieben und war dann schon in jungen Jahren Jugendkoordinator und anschließend Fußballobmann, Manager, Co-Trainer und Pressesprecher , teilweise in Personalunion. Meine Freizeit war über Jahre hinweg komplett mit Fußball gefüllt.  Auf den Fußballplätzen in meiner Region, die zu dieser Zeit mein zweites zu hause waren,  in der lokalen Presse, nannte man mich hin und wieder  „den Uli Hoeness des VfR“. Immer angetrieben, auch unter den widrigen Verhältnissen eines kleinen Amateurvereins, den nächsten sportlichen Schritt zu erreichen.

Vor der Saison 1994/95 hatte sich bei mir eine gewisse Amtsmüdigkeit eingesetzt. Nach  drei Vizemeisterschaften in unserer Spielklasse hatten wir das angestrebte Ziel, die Bezirksliga wieder nicht erreicht. Heute würde man sagen, wir waren so etwas wie das „Vizekusen der Kreisliga A“ . Immer offensiven Fußball, viele Tore, doch am Ende ein paar Gegentore zu viel oder in dem ein oder anderem entscheidenden Spiel, hatte das Nervenkostüm versagt, so dass es immer noch einen gab, der einen Tick besser war. Ein paar Leistungträger der 1. Mannschaft hatten den Verein verlassen oder wollten ihre Laufbahn beenden. Die Möglichkeit es in die Bezirksliga zu schaffen, war für mich unrealistisch. Meine vom Fußball genervte Frau, machte mir das Fußballeben auch nicht leichter und mein Sohn war wenige Monate zuvor geboren. Ich brauchte eine Auszeit und auch mehr Zeit für Familie.


 Vor der nun anstehenden neuen Spielzeit habe, ich noch dazu beigetragen meine Aufgaben und Ämter in gute Hände zu legen, die Mannschaft mit ein paar jungen talentierten Spielern zu ergänzen.  Im Vorfeld war es mir noch gelungen, den im Vorjahr, nach Meinungsverschiedenheiten mit mir, Vorstand und Mannschaft ausgeschiedenen Trainer "Heinz" für die neue Saison zu verpflichten.

"Heinz" hatte zu seiner besten Zeit bei den Amateuren von Borussia Mönchengladbach gespielt und war fachlich einer der besten Trainer, die unser Club bis dahin hatte. Die Gefahr bestand darin – welches auch das Problem bei seiner ersten Amtszeit war- dass er mit seinem Anspruch, gemessen an seiner eigenen Laufbahn, seinem Ehrgeiz, seiner explosiven Art, seiner Vorstellung von Disziplin im Training, im Spiel und auch Spielvorbereitung, den ein oder anderen Spieler in unserer Amateurklasse überforderte. Ich werde nie vergessen wie sich einer der Routiniers unserer Mannschaft , kurzfristig  auf der Ersatzbank wieder fand, weil er während des Aufwärmprogramms vor dem Spiel, mal kurz  - wie bis dahin üblich- in die Büsche verschwand um sich zu erleichtern. Dem nächsten widerfuhr Gleiches, weil er  während des Dehnungsprogramms beim Plausch mit Zuschauer oder Freundin gesehen wurde. Nicht selten fuhr ein vom Trainer etwas unsanft kritisierter Spieler nach dem Training nach Hause mit dem Kommentar „Mich siehst du hier nicht wieder“! Dann war ich dann wieder mal als Mediator im Interesse des Teams und des Erfolgs gefordert zu vermitteln, zwischen ehrgeizigem Trainer und sensiblen Freizeitkicker. Nach dem  Ein oder Anderen emotionale Gespräch, einem Bier am Vereinstresen und mal „darüber schlafen“ ging es dann meistens im nächsten Spiel gemeinsam weiter.

Auch wenn Trainer Heinz, die Messlatte im Training und auch Spiel immer etwas höher legte, die Spieler ihn manchmal  deshalb nicht mochten – er manchmal auch einige Wesenszüge eines „ Ede Geyer“ zu haben schien, -zudem er selbst nach großen Siegen mit dem Team stets nur mit Cola statt Bier feierte- . Die Spieler konnten sehen wie sie sich spielerisch, taktisch und physisch weiterentwickelten. Das es auch eine gehörige Portion  an bisher nicht gekannter Disziplin und Regeln braucht um größere Ziele zu erreichen. In seiner zweiten Amtszeit im Aufstiegsjahr wurde  Trainer Heinz sogar beim VfR über den grünen Klee gelobt als „ein Fußball Besessener“ der die richtige Mischung aus Engagement und Gelassenheit gefunden hat. Ich bilde mir bis heute ein, als sein erster Ansprechpartner und gleichzeitig Mediator zwischen ihm und Mannschaft, meinen Teil dazu beigetragen zu haben.



Zunächst war die neue Saison 1994/95 gestartet. Mit einer verjüngten Mannschaft ohne einige Leistungsträger der Vergangenheit, nicht mit dem Ziel aufzusteigen, die Mannschaft neu aufzubauen, ordentlichen Fußball zu spielen. Und seit mehr als 15 Jahren ohne mich in einer Vereinsfunktionärsrolle. Die Vorbereitung verlief eher mäßig bis schlecht. Jedoch das erste Meisterschaftsspiel wurde mit 7:2 gewonnen. Das zweite und dritte Spiel wurde gar bei Aufstiegsfavoriten klar gewonnen. In diesen Wochen habe ich es genossen lediglich am Wochenende die Spiele meines Clubs, einfach einmal als unbeteiligter Zuschauer zu genießen. Der Kontakt zu Trainer "Heinz" war jedoch auch dann nicht abgebrochen. Er nutzte jede Gelegenheit mich mehrmals pro Woche anzurufen, sich über den Trainingsalltag, Taktik, Spielanalyse, Spieler oder den nächsten Gegner auszutauschen, Feedback zu holen oder mir Anregungen zu liefern,  wie man, die stets zu bemängelnde Infrastruktur eines kleinen Amateurvereins verbessern könnte. Und so kam es wie es nicht kommen sollte, nach drei Monaten war ich nun wieder –ohne offizielle Funktion-  mitten im Geschehen. Die Tatsache, dass die Spieler mich ebenfalls immer noch als Ansprechpartner mit ihren Anliegen kontaktierten -  die gute Arbeit von Trainer Heinz und der Mannschaft, die unerwartete Früchte trug, taten ihr übriges um mich zu überreden. Der  „Fußballvirus“ hatte mich wieder eingeholt und erwischt.

Am vorletzten Spieltag der Hinrunde war die Mannschaft ungeschlagener souveräner  Tabellenführer mit nur drei Unentschieden. Die erste Niederlage setzte es am letzten Spieltag vor der Winterpause, anschließend  noch 3 Punkten Vorsprung (nach der alten 2-Punkte-Regelung) vor der Reserve-Mannschaft es ranghöchsten Verbandsligisten der Region, dem FC  W-B.

Wir starteten mäßig in die Rückrunde. Die mit Spielern der Verbandsliga aufgerüstete Reserve-Mannschaft des FC W-B schloss nach Punkten in der Tabelle auf und im letzten Drittel der Saison wurde im Showdown das Spitzenspiel gegen sie eindeutig unterlegen, mit 1:3 verloren. Nach einer kleinen Negativserie waren wir sogar nur noch Tabellendritter, obwohl der zweite Tabellenplatz erstmalig zu einer Relegationsteilname für die Bezirksliga gereicht hätte. Nun sah es noch nicht einmal nach „Vizekusen der Kreisliga“ aus. Im Endspurt wurde wurden dann noch Siege eingefahren, der mit Spielern aus der Verbandsliga aufgerüstete FC W-B II gab sich keine Blöße mehr.

Wieder Vizemeister, jedoch diesmal mit Relegation als zusätzliche Option. Zunächst wusste ich nicht, ob ich mich über den wieder verpassten Aufstieg ärgern soll oder über die Relegation freuen soll. Gruppengegner waren die beiden Vizemeister der Nachbarkreise und ein am letzten Spieltag auf den drittletzten Platz gerutschter starker Bezirksligist. Nur der Gruppenerste konnte noch aufsteigen.

Mein VfR war Außenseiter in dieser Runde. Aber ok, wir hatten eine kleine Chance. Unser erstes Spiel bescherte uns gleich das Spiel beim starken Bezirksligisten die Spvg. KG. Deren starker Mittelstürmer hatte über die Hälfte der Tore alleine geschossen und Torschützenkönig der Liga.

Der Tag des ersten Spiels rückte näher und mit jedem Tag wurde meine Anspannung größer. Nach einem 0:1 Rückstand konnten wir durch ein Eigentor – vor ca. 400 Zuschauern-  ausgleichen. Kurz vor Ende der 1. Halbzeit erzielte unser Kapitän-Spielmacher-Torjäger und Vereinsidol „Knigge“, die 2:1 Führung. In einer aufopferungsvollen Abwehrschlacht, mit ein paar gefährlichen Kontern, konnten wir das Ergebnis bis zum Schluss halten. Übrigens…die Schlagzeile am nächsten Tag in der lokalen Presse lautete: Der Torjäger hatte gegen Thomas W. (unser Manndecker, der das Spiel seines Lebens machte) keine Chance!!!

Mit dem Selbstvertrauen dieser kleinen Sensation ging es in das 2. Spiel – zuhause gegen den Spielstarken Vizemeister des Nachbarkreises FSV S. Nach anfänglichen Problemen bekamen wir das Spiel unter Kontrolle.  Mit einem 20 Meter-Knaller und einem tollen Solo, erzielte unser Kapitän „Knigge“, beide Tore zur hochverdienten Halbzeitführung. Unter Berücksichtigung der anderen Ergebnisse,  wären wir zu diesem Zeitpunkt Aufsteiger. Nach der Halbzeit hätte das 3:0 fallen müssen. Doch statt dessen, wie so häufig in solchen Situationen im Fußball, der Gegner wurde stärker – drängte – erzielte den Anschlusstreffer und zehn Minuten vor Ende sogar den 2:2 Ausgleich.

Nun kam es im letzten Gruppenspiel zum Endspiel, auf neutralem Platz,  gegen den Punkt- und Torgleichen SV P. Nur der Sieger steigt sicher auf. Bei Unentschieden bestand die Gefahr dass der Tabellendritte FSV S. vorbei zieht. Bei gut besuchten Spielen in der Meisterschaft kamen 80 bis 100 Zuschauer zu den Spielen. Als ich mit Mannschaft und Trainer an diesem Tag die Platzanlage betrat, müssen es ca. 500 mit Fahnen und Trompeten ausgerüstete Zuschauer gewesen sein. Mit dem Anpfiff stieg mein Puls und Blutdruck ins unermessliche. Die Nächte zuvor hatte ich vor Aufregung und Spannung kaum schlafen können.  Ist das heute der Tag? Kann der Traum heute wahr werden?


Gelähmt von der nervlichen Anspannung eines solchen Endspiels lief unser Team in den ersten 20 Minuten nur hinterher und hatten einige brenzlige Situationen zu überstehen. Doch unser Torwart "Andre" hatte einen tollen Tag erwischt oder einige Torchancen vom hochüberlegenen SV P. wurden in letzter Sekunde abgeblockt. Mit einem Traumstart ging es jedoch dann in die zweite Hälfte. Gerade mal 40 Sekunden waren gespielt, als unser linker Verteidiger „Nelli“,  sich erinnerte, auch hin und wieder ein Tor erzielen zu können. Eine Quervorlage hämmerte er volley von der Strafraumkante ins lange Eck. 1 :0 ! Nun hatten wir die Bezirksliga fest im Visier. Die Anspannung bei der Mannschaft legte sich nun und unser Mittelstürmer „Katti“ hatte aus kurzer Distanz das 2:0 auf dem Fuß – entschloss sich aber zu spät zum Abschluss. Doch der SV P. lebte noch. Binnen zwei Minuten war dann der Aufstieg wieder in weiter Ferne gerückt – durch eigene Schuld wurde ein Ball in der 59. Minute im eigenen Strafraum vertändelt – dann noch ein eigenen Mitspieler angeschossen und mit letzten Einsatz rutschte dann ein Spieler des SV P. mit dem Ball über die Torlinie. Der Linienrichter hob erst die Fahne wegen Abseitsstellung, nahm seine Entscheidung dann jedoch zurück. Dies wiederum nahm unsere 2. Sturmspitze „Uwe“ zum Anlass dem Linienrichter zu erklären, was er von ihm halte. Der Linienrichter winkte eifrig den Schiedsrichter herbei und dieser zog unverzüglich „rot“.


Das wars dann, schoss es mir entsetzt durch den Kopf! 30 Minuten in Unterzahl gegen diesen starken Gegner!  Ich war geschockt! Bezirksliga ade!!

Doch dann traf Trainer „Heinz“ genau die richtige Entscheidung. Der SV P. drängte, meine Jungs erhöhten den kämpferischen Einsatz.  „Heinz“ wechselte Mittelstürmer „Katti“ – ein reiner Strafraumstürmer – aus und wechselte dafür den agilen 18-jährigen Jungspund „Torsten „ ein.

„Torsten“ war der jüngste und der Lehrling im Team – talentiert - laufstark – schnell – total ehrgeizig  und  manchmal mit dem Kopf durch die Wand und hatte so manche gute Torgelegenheit überhastet vergeigt. Unter Missachtung jeglicher taktischer Vorgaben, hatte er bisher seinem Trainer „Heinz“ bei seinem Teileinsätzen zu „Weissglut“  gebracht. Mit dem Ergebnis, dass er dann im nächsten Spiel entweder gar nicht oder nur ein paar Minuten ran durfte. Wochen zuvor in der Meisterschaft hatte sich dieses Szenario wieder mal ereignet und „Torsten“ beschwerte sich mal wieder bei mir, über diesen so ungerechten Trainer „Heinz“. Ich nahm in tröstend beiseite und sagte damals: „Junge bleib ruhig, trainiere gut weiter, deine Zeit wird kommen, ich glaube du wirst ein großer Beitrag sein, uns in die Bezirksliga zu bringen.“

Und was geschah nun an diesem Endspieltag? Mit seinem ersten Ballkontakt erfüllte er diese Aufgabe in der 72. Minute hundertprozentig! Kapitän „Knigge“ hatte sich über links durchgespielt, die scharfe Hereingabe hämmerte der heraneilende „Torsten“ ins Tornetz!! 2:1! 

Nach kurzer Freude schaute ich auf die Uhr. Ein Ruhekissen war dieser Treffer noch lange  nicht. Noch 18 Minuten zu spielen….noch 18 Minuten zum Ziel…..in 18 Minuten könnte ein Traum in Erfüllung gehen…..in 18 Minuten könnten über 10 Jahre Arbeit belohnt werden. Teilweise liefen diese 10 Jahre wie ein Film in Zeitlupe auf meinem geistigen Monitor ab. Die letzten Minuten stand ich am Spielfeldrand und habe den Rest des Spiels nur noch in Trance wahrgenommen. Den Krach und die 500 Zuschauer habe ich gar nicht mehr wahrgenommen. Dass der SV P. nun alles nach vorne schmiss, wütend das Spiel versuchte zu drehen….unser Torwart oder eine Fußspitze in letzter Sekunde das Gegentor noch verhinderte. Teilweise habe ich diese Szenen erst in den Tagen danach in der Presse gelesen  ……. Dann plötzlich ein Pfiff! .... Was war das?.....Träume ich?  Es dauerte Sekunden bis ich realisierte, dass es der Schlusspfiff war…..dass, das Spiel zu Ende war …… dass wir gewonnen hatten….. Freude kam langsam in mir auf…....Tränen…..dann Jubel. In einer stillen Ecke, Abseits des Platzes, brauchte ich erst mal eine Minute für mich, bevor ich mich in die jubelnde Menge der feiernden Spieler und Fans begab.


Mein Leben hat mir so manches große Ereignis und Glücksgefühl  geschenkt. Berufliche Ziele erreichen, verliebt sein – auf Wolke sieben schweben- heiraten - . Doch neben der Geburt meines Sohnes, werden ich diesen magischen Moment des Fußballs, diese Minuten, nie vergessen !........

Übrigens: Nach gutem Start in die darauf folgende erste Bezirksligasaison standen wir nach ca. 8 Spieltagen mit Trainer „Heinz“ auf dem  4. Tabellenplatz und sind anschließend als Tabellenletzter am Ende abgestiegen.

Und wenn die Spieler von damals – auch die, die Trainer „Heinz“ manchmal zum Teufel gewünscht haben, diesen heute mal wiedertreffen, heißt es oft: „Mann Heinz, war das nicht eine geile Zeit? War das nicht eine tolle Saison?.......



Wer von Euch hat ebenfalls solche Momente im Fußball oder Sport erlebt?? Ich wäre gespannt Eure Geschichte zu lesen